Karlsruhe
30.05.2017 | Blick ins Rathaus |

Die neue Kriegsstraße wird die Stadt verändern

Der Umbau der Kriegsstraße hat begonnen. Unmittelbar nach dem Spatenstich, zu dem auch Landesverkehrsminister Winfried Hermann am 21. März nach Karlsruhe gekommen war, sind die ersten Baugeräte angerollt und haben gleich auf zwei Baufeldern das zweite Teilprojekt der Kombilösung in Angriff genommen. Jetzt wird der innerstädtische Boulevard mit seiner neuen oberirdischen Straßenbahntrasse und dem darunter liegenden Autotunnel endlich Wirklichkeit.

Dr. Frank Mentrup OB
Die neue Kriegsstraße wird die Wahrnehmung der Stadt entscheidend verändern: Vor 50 Jahren gebaut, verfolgte die überbreite Verkehrsachse damals das städteplanerische Ideal einer „autogerechten Innenstadt“. Künftig werden die Menschen vieler Mobilitätsarten wieder im Zentrum der Bemühungen stehen. Dazu passt es auch, dass der Rohbau des ersten Teils der Kombilösung – des Stadtbahn- und Straßenbahntunnels unter der Kaiserstraße mit dem Südabzweig vom Marktplatz in die Ettlinger Straße – noch in diesem Jahr weitgehend abgeschlossen werden kann und die Aufenthaltsqualität wieder deutlich steigt.
Mit dem Umbau der Kriegsstraße verfolgen wir mehrere Ziele: Die neue Straßenbahntrasse erschließt die Innenstadt für den Öffentlichen Personennahverkehr von Osten nach Westen und umgekehrt und überbrückt in Verbindung mit dem 1,6 Kilometer langen Autotunnel die damals geschlagene „Schneise“ zwischen Innenstadt und der angrenzenden Süd- und Südweststadt. Die Gleise in der Kriegsstraße erhöhen zudem die Leistungsfähigkeit des Karlsruher Stadtbahnnetzes. In der „neuen“, mit vier Baumreihen ausgestatten Kriegsstraße wird es breite Wege für Fußgänger und Radfahrer statt der bisher bis zu zehn Autofahrspuren geben. Zudem wird die Kriegsstraße auf Höhe der Ritter-, Lamm-, Kreuz- und Adlerstraße sowie natürlich am Karlstor, am Ettlinger Tor und am Mendelssohnplatz für Fußgänger und Radfahrer ebenerdig zu queren sein – also ohne Brücken oder Unterführungen.
Ich bekenne ganz offen: Beim Spatenstich ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Nachdem der Bundesrechnungshof Zweifel an der Förderfähigkeit der Kriegsstraße geäußert hatte, mussten wir monatelang auf das berühmte „Grüne Licht“ warten. Und ich bin dankbar, dass die beiden Zuschussgeber, das Land Baden-Württemberg und Bundesrepublik Deutschland ihr einmal bereits gegebenes „Ja“ zur finanziellen Förderung der Kombilösung einschließlich der Kriegsstraße schließlich bekräftigt haben. Die Baukosten des Teilprojekts Straßenbahn in der Kriegsstraße mit Autotunnel liegen nach der aktuellen Kostenprognose vom Februar dieses Jahres für das Jahr 2021 bei 230,2 Millionen Euro.
Was steht den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt, ihren Besucherinnen und Besuchern, den hier studierenden oder arbeitenden Menschen jetzt konkret bevor? Im Dezember 2021, also in etwas mehr als viereinhalb Jahren, werden die ersten Bahnen durch die Kriegsstraße rollen. Drei Monate zuvor, so sehen es die Planungen der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) als Bauherrin vor, fahren bereits die Autos durch den Tunnel unter den Gleisen. Dann liegen insgesamt zwölf Jahre Bauzeit an der Kombilösung hinter uns. Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass die Arbeiten die City als Herz unserer Stadt betroffen haben, diese sensible und für städtisches Leben so entscheidende
Stelle.
 

Vorfreude auf das Morgen erlaubt

Wir nehmen vor allem das „Hier“ und „Heute“ wahr, also: Umleitungen, Lärm, Staub, Einschränkungen der individuellen Gewohnheiten. Das „Morgen“ entzieht sich noch unserem Blick: Auch wenn wir zumindest beim Stadtbahntunnel schon etwas zeigen können – und das übrigens zum wiederholten Mal bei einem Tag der Offenen Baustelle am 16. September auch tun werden –, müssen wir uns bis zur vollständigen Fertigstellung der Kombilösung noch etwas gedulden – Vorfreude ist aber bereits jetzt erlaubt.
Wir wissen natürlich aus den bisherigen Erfahrungen mit der Kombilösung, dass Bauprojekte einer solchen Größenordnung immer mal wieder für Überraschungen gut sind. Auf Unerwartetes sollten wir auch in den kommenden viereinhalb Jahren vorbereitet sein. Aber: Auto- und Radfahrerinnen und -fahrer werden, ebenso wie Fußgängerinnen und Fußgänger, mit zeitlich begrenzten Einschränkungen während der Bauzeit die Kriegsstraße nutzen und auch queren können. Um sowohl den Verkehr der Stadt- und Straßenbahnen wie auch der Autos immer aufrecht zu erhalten, kommen sogar mehrfach Hilfsbrückenkonstruktionen zum Einsatz.
Keine Frage: Wir alle hoffen auf ein unfallfreies und planmäßiges Ende der Arbeiten. Dann kann das neue Karlsruhe Wirklichkeit werden.


Dr. Frank Mentrup
Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe

 

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