Karlsruhe
27.09.2017 | Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine (AKB) |

Sicherheit in Karlsruhe – aus dem neuen Sicherheitsbericht und der Kriminalstatistik 2016 – Fortsetzung

Liebe Karlsruher Mitbürgerinnen und Mitbürger, im Folgenden kommt die Fortsetzung zum Artikel „Sicherheit in Karlsruhe“. So wie die Entwicklung der Kriminalität von Verbesserungen in der Stadt bei gleichzeitiger Verschlechterung im Landkreis auseinandertriftet, was als „Verdrängungseffekt“ angesehen werden muss, ist auch die stadtteilbezogene Kriminalität sehr unterschiedlich.

Dr. Rempp
Während in den Kernbezirken der Stadt (Innenstadt, Südstadt, Südweststadt, Weststadt, Oststadt und Mühlburg) aber auch in Durlach die Anzahl der Straftaten hoch ist, fallen sie in den anderen 19 Stadtteilen vergleichsweise gering aus. Aber auch in den genannten Stadtteilen konzentrieren sich die Straftaten auf wenige bekannte Orte: neben der Innenstadt auf den Hauptbahnhof, den Werder- oder Friedrichsplatz.
 

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD)

Neben der Polizei hat sich der KOD seit Beginn seiner Tätigkeit im Frühjahr 2011 zu einem wichtigen Bestandteil der Sicher-
heitsstruktur in Karlsruhe entwickelt und leistet seinen Beitrag zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.
Der KOD ist vorrangig für den Bereich der Ordnungsstörungen sowie die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten zuständig. Dagegen obliegt die Strafverfolgung dem Polizeivollzugsdienst und der Justiz. Mit Präsenzstreifen sorgt der KOD jedoch ganz allgemein für ein besseres Sicherheitsgefühl in der Öffentlichkeit. Werden im Rahmen der Streife Straftaten festgestellt (z.B. Schlägereien, Diebstähle, Betäubungsmittelverstöße oder Sachbeschädigungen), schreitet der KOD im Rahmen der Gefahrenabwehr ein und trifft die ersten Maßnahmen bis zum Eintreffen des Polizeivollzugsdienstes. Entsprechend der Konzentration der Delikte auf wenige Stadtteile (siehe Grafik Seite 3) verteilen sich auch die KOD-Einsätze entsprechend, wie das Balkendiagramm zeigt.
Dieses Hand-in-Hand-Agieren von KOD und Polizei ist ein entscheidender Faktor in der Erhöhung der Sicherheit in Karlsruhe, sowohl subjektiv empfunden als auch objektiv festgestellt.
Der KOD umfasst aber weit mehr Bereiche neben der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wie z.B. bei KSC-Spielen, bei öffentlichen Versammlungen, bei Veranstaltungen, nämlich auch
• die Sicherheit im Straßenverkehr sowie
• die Lebensmittelsicherheit und den Tierschutz
 

Nachdenkliche Argumente

Dass man aber mit einer beliebigen Aufrüstung der Polizei und des KOD den Kriminalitätsphänomenen nicht adäquat begegnen kann, legte Herr Rüttler, Leiter Kriminalpolizeidirektion Karlsruhe in einer Hauptausschusssitzung Ende letzten Jahres dar. Er versuchte zu relativieren und mahnte an, das richtige Augenmaß zu finden. Dabei möge man bedenken, dass
• es in Deutschland über 3.000 Verkehrstote gibt, die uns weit weniger Angst als Ladendiebstahl oder Wohnungseinbruch machen,
• es bei über 40% Wohnungseinbrüchen bei Versuchen bleibt, weil die Bürger vorsorgen und selbst bei der Verhinderung von Straftaten helfen,
• Kriminalität allgegenwärtig oder überall verbreitet ist. Anzunehmen man könnte Kriminalität auf null drücken, ist daher naiv und realitätsfremd.    
Wollte man dies, stünde unweigerlich ein Polizei- und Überwachungsstaat im Raum, den keiner auch ich (Herr Rüttler) nicht will,
• die Stadt Karlsruhe attraktiv ist und daher stets sehr viel mehr Menschen in der Stadt sind, als hier wohnen. Es werden daher auch Personen angezogen, die potentiell Täter oder Opfer von Straftaten sein können,
• dass das Wohlstandsgefälle Kriminalität vom Ausland importiert oder das Wohlstandsgefälle zwischen den hier Wohnenden, Einreisenden und Zuwanderern eine weitere Quelle von Kriminalität ist,
• bei der Aufstockung der Polizei die Beamten erst in 4 Jahren ausgebildet sind. Kurzfristig ist daher über Personalzuwächse keine Entlastung der Polizei möglich.
Deshalb ist Betreuung, Bildung, Integration, sozialer Ausgleich, Teilhabe (am Wohlstand, an sozialen Errungenschaften, an Kultur und Bildung) von elementarer Bedeutung um Kriminalität erst gar nicht entstehen zu lassen. Jeder EURO, der in Präventionsaktivitäten investiert wird (Sozialarbeit, Schulsozialarbeit, Familienhilfe, Arbeitsplätze auch im Niedriglohnsektor, Resozialisierung u.a.), zahlt sich deshalb mehrfach aus. Trotz dieser nachdenklichen Argumente stellte Herr Rüttler aber fest, dass
• weiteres Personal im Polizeidienst benötigt wird, da die Polizei seit Jahren hoch belastet ist und Überstundenberge vor sich herschiebt,
• die Kriminalitätsrate in Karlsruhe gesenkt werden sollte,
• der KOD hierzu einen positiven Beitrag leistet,
• die Ängste und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger, der Gemeinderätinnen und -räte von der Polizei sehr ernst genommen werden.
Dem schließt sich die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine gerne an und dankt an dieser Stelle der Polizei und dem KOD für ihren hervorragenden und nicht immer ungefährlichen Einsatz zum Wohle unserer Stadtgesellschaft. Wir können nur hoffen, dass das Ziel, die Sicherheitslage in Karlsruhe weiter zu verbessern, erreicht wird. Dabei mögen sich Bürgerinnen und Bürger nicht scheuen, in berechtigten Fällen auf die Polizei und den Kommunalen Ordnungsdienst zuzugehen, um diese in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Ihr AKB-Vorsitzender
Dr. Helmut Rempp

 

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