Rintheim
19.05.2017 | Bürgerverein Rintheim | Rintheim

„Rintheim jubiliert“

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Artikelserie „Rintheim jubiliert“
Mit diesem Bürgerblatt starten wir eine Artikelserie „Rintheim jubiliert“, weil wir 2017 in Rintheim 8 (in Worten: acht) Jubiläen feiern können. Die Jubiläen sind:
 
  Jubiläum
Bürgerverein Rintheim 110
Eingemeindung Rintheims 110
Vereinigter Chor 140
Gospelchor   25
SPD Ortsverein 120
Arge Dreschhallenvereine   25
RCC Sandhasengarde   44
Autohaus Lang   65
 
In dieser Ausgabe starten wir mit dem Bürgerverein und der Eingemeindung.
Bürgerverein Rintheim 110 Jahre alt
Historische Wurzeln gefunden
Bisher wurde angenommen und ist nachzulesen, dass der Bürgerverein Rintheim als Einwohnerverein 1949 gegründet wurde. Recherchen haben aber gezeigt, dass es bereits vor dem 2. Weltkrieg einen Bürgerverein Rintheim gab.
Durch zufällige Beschäftigung mit der Historie der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine e.V. (AKB) in alten Adressbüchern der Stadt Karlsruhe der 20er und 30er Jahre fand ich, dass seiner Zeit bereits ein Bürgerverein Rintheim eingetragen war. Adressbuch für Adressbuch wurde (elektronisch) gewälzt und das Ergebnis ist überraschend und einleuchtend zugleich.
Für den Bürgerverein Rintheim gab es erstmals im Adressbuch des Jahres 1909 einen Eintrag, und dann ununterbrochen bis 1934.
Jetzt begann die Recherche im Generallandesarchiv und im Stadtarchiv, die zutage brachte, dass der Bürgerverein Rintheim bereits im März 1908 eine Petition an die 2. Kammer der Landstände des Großherzogthums Baden Abteilung Verkehrswesen/Eisenbahnen richtete. In dieser bat er um die Errichtung einer Haltestelle in Rintheim /siehe Abb.). Dieser Petition wurde im 1909 zugestimmt. Dieses Indiz reicht aus, mit Fug und Recht festzustellen, dass dann bereits 1907 ein Bürgerverein gegründet wurde.
 

Auszug aus dem Protokoll der 2. Kammer 13. Dezember 1909 Quelle: Generallandesarchiv
Die Gründung 1907 ist auch sehr plausibel: Die Eigenständigkeit Rintheims mit damals über 2.000 Einwohner zeichnete sich bis 1907 durch einen eigenen Gemeinderat, Bürgermeister und ein schmuckes Rathaus aus. Darin lenkte der letzte Bürgermeister Ludwig Leßle bis zur Eingemeindung nach Karlsruhe 1907 die Geschicke Rintheims. Mit der Eingemeindung nach Karlsruhe zum 1.1.1907 war es mit dieser Eigenständigkeit plötzlich vorbei und das nun zuständige Rathaus in Karlsruhe war für jene Zeiten gefühlt eine „Tagesreise“ weg.
Sehr verständlich ist daher, dass Rintheimer Bürger ein Bürgervertretungsform suchten. Sie wählten die Organisation eines Bürgervereins, wie es sie in wenigen anderen Stadtteilen bereits gab.
Der erste Bürgervereinsvorsitzende war der Hirschwirt Jakob Kastner mit zweimaligem Eintrag bis 1910. Weitere Vorsitzende waren
  • Erb, Ludwig, Rintheimer Hauptstr. 37 (1912 – 1930) und
  • Bippes, Ludwig, Ernststr. 84 (1930 – 1934).
Ab 1935/36 war kein Bürgerverein Rintheim mehr eingetragen. Nebenbei sei bemerkt, dass auch andere Bürgervereine zu jener Zeit aus dem Adressbuch verschwunden sind. Diese Entwicklung ist plausibel zu erklären: Unter der NAZI-Diktatur wurden Organisationen gleichgeschaltet oder gleich aufgelöst.
Das Jahr 1949 ist also das Jahr der Wiedergründung. Interessant ist, dass zunächst nicht der ursprüngliche Name weitergeführt wurde, sondern dass man diese Bürgervertretung zunächst Einwohnerverein nannte. 1. Vorsitzender war Georg Emmerich. Im Vorstand vertreten war Ludwig Bippes, der von 1930 bis 1934 Vorsitzender war. Aus dem Einwohnerverein  wurde 1953 durch Namensänderung wieder der „Bürgerverein Rintheim“.
Eingemeindung Rintheims zum 1.1.1907 vor 110 Jahren
Am Ende des 19. Jahrhunderts deutete schon vieles auf eine kommende Eingemeindung Rintheims nach Karlsruhe hin. Der Wunsch soll von den Rintheimern selbst gekommen sein. Zur Zeit der Eingemeindung am 1. Januar 1907 hatte Rintheim 2.018 Einwohner und besaß immerhin noch 169 Hektar Land. Zuvor hatte Rintheim schon 1874 für die Erweiterung Karlsruhes nach Osten 42 Morgen Land für den Bau des Karlsruher Friedhofs abgegeben, 1885 erhielt auch die Karlsruher Firma Haid und Neu, die spätere Firma Singer, sowie 1887/1888 die Brauerei Hoepfner Rintheimer Gelände. Bereits 1902 stellten die Rintheimer erstmals eine Anfrage zur Eingemeindung an Karlsruhe. Sie erhofften sich dadurch eine Ermäßigung der Gemeindeumlage sowie eine Wertsteigerung der Rintheimer Liegenschaften.
Lange Verhandlungen folgten, denn die Rintheimer verzichteten verständlicherweise nicht freiwillig auf althergebrachte Rechte, z.B. auf das Recht der Holzberechtigung aus dem Hardtwaldvertrag. Die Verhandlungen endeten wie meist in einem Kompromiss.
Am 1. Januar 1907 war es dann soweit: Rintheim wurde in die Stadt Karlsruhe eingemeindet.
In der Folge bemerkte man, dass die meisten Bestimmungen des Eingemeindungs-vertrages reine Sollbestimmungen waren, was ganz einfach bedeutete, dass sie von der Stadt Karlsruhe nicht zwingend erfüllt werden mussten. Es handelte sich um die Straßenbahn, die Kanalisation, Gas-, Wasser- und Strom-Anschluss.
Die erste sichtbare Änderung war die Umbennung von Rintheimer Straßen, wie der Schillerstraße, der Friedrichstraße und der Waldstraße, die es in Karlsruhe schon gab.
Am schnellsten wurde die Kanalisation gebaut. Am längsten brauchte die Straßenbahn, die erst 1929 fertig gestellt wurde.

Ehemaliges Rathaus Quelle: Generallandesarchiv
Dr. Helmut Rempp
 

 

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